Zerstreute Zeilen

In fragmentarischen Fetzen hinterfragt der werdende Dichter
den Kosmos, das Schicksal & die Liebe.

3. August – Harmonia mundi.

Das Vermessen von Tonleitern ordnet die Gedanken zu kosmologischem Spinnengewebe. Ich schlummere wie die Larve ungeborener Verse in dieser Klangpuppe.

5. August – Götterfreund?

Ein Kranichzug durchkreuzt die Himmelspartitur und zeiht mich gedanklich in warme Weiten. O Parzen, was strickt ihr mir denn Schönes? Nur einen Gesang gönnt mir, ihr Gewaltigen, dass mein Sommer mir von Honigsüße sterbe!

8. August – Luft anderer Planeten.

Ob Tante Golda mich heute vermisst hat? Mein Fremdgehen ist eine unverzeihliche poetische Notwendigkeit. Die quietschende Dachstube der Gräfin von Disteldorn birgt sedierende Seidenstoffe, die meine Fantasie zu schöpferischen Weitsprüngen anregen. Gänseblumenhaut, als die sinkende Sonne durch die Dachluke luchst und mich beim Nickerchen im welken Brautkleid der einsamen Blaublütigen erwischt.