wermut

Und der dritte Engel posaunte: Und vom Himmel fiel ein großer Stern, brennend wie eine Fackel, und er fiel auf den dritten Teil der Ströme und auf die Wasserquellen. Und der Name des Sterns heißt Wermut; und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele der Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter gemacht waren.

– Offenbarung 8:10,11

Das fahle Pferd vergaloppiert sich.

 

25. August – Menetekel, das dritte.

Ein Perserkater im Kimono schlürft Hennessy Beauté du Siècle Cognac im Atelier der Villa Disteldorn und lässt sich glucksend umgarnen. Scharlachrote Spritzer auf leichenblasser Leinwand hören auf den Namen Exitus III: Krieger und Kranich im Kirschblütenschnee und entlocken der Kunsttrabantentraube langgezogene Vokale der Bewunderung. Man munkelt, der Maler begegne täglich seiner Muse im morgendlichen Meditationsbad und könne nur in Anwesenheit perlmutterweißer Schmetterlingsorchideen schöpfen.

Elender Pinselgigolo, perverser Perserkater du! Bedenke Marat, wenn du morgen mit deinem Kranich in die Kirschblutwanne steigst und beraube mich meiner Gräfin erst, wenn ich meine Flamingo-Flageolette in leder-gebundener Ausgabe an die Brust drücke!

27. August – Desaster-Teaser.

Die Gräfin synkopiert auf der Picknick-Decke, als sie vom Modeblatt ihres Vertrauens erfährt, ein Asteroid rase auf die Erde zu und werde mit aller Wahrscheinlichkeit die Menschheit einschließlich Handtaschen und Frisören gegen Fünf vor Zwölf zu Sternenstaub vernichten und auf eine Mülldeponie an der Milchstraße verschütten. Ich senke den Blick in meine Pina Colada und erblicke versunkene Flamingos auf kussroten Korallenriffen. Mythenschau.

28. August – Postapokalyptische Depression.

Die Welt steht noch – Erschütterung ohne Gleichen! Gestern noch im Liebestod engumschlungen, Weltuntergangs-Holi-Fest bei Champagner und Feuerwerk mit anschließender Einkehr zum letzten Abendmahl am heimischen Würstelstand… Und jetzt? Betrogen und belogen! Die Welt ist wieder davongekommen – und glotzt uns an, schal und fahl wie je zuvor! Ich finde tristen Trost-Ersatz im Verfassen empörter Leserbriefe.

Die Gräfin zergeht in Weinkrämpfen auf dem Diwan und bewundert meinen heroischen Akt des Widerstands. „In solch schwerer Stunde bedarf es Dichter der Tat, meine Liebe…“

In meiner Erhabenheit wähn ich mich fast Panther im Afflatus, als eine lebensmüde Ming Vase sich vom Kamin stürzt und die Gräfin an die edle Schläfe trifft. Sie verstirbt sofort im schwarzen Gladiolen-Regen.

Ich hülle mich in elegische Eleganz und verlasse die Villa mit Trauerschleier durch die Nacht. Menetekel, das endgültige.

 

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