Memento Mori

Mensch, werde wesentlich!

Denn wenn die Welt vergeht,

So fällt der Zufall weg:

Das Wesen, das besteht.

– Angelius Silesius

Der Kater-Poet schwelgt in Jugendstil-Fantasien und überhört den Glockenschlag des Menetekels. Es folgt ein meditatives Kakadu-Stillleben mit Früchten, Laute & Schachbrett.

Steter Abstieg in weinrot weinende Jammertäler.

21. August – Menetekel, das zweite.

Gestammelte Klavierträumerei hinter Goldas gesenkten Jalousien. Saure Milch mit Schuss.

22. August – Maitanz auf Almwiesen.

Das Hinterfragen meiner Dichtersendung verursacht mir heftige Koliken mit Magenbitter-Visionen auf Eisfelsen. Da blutet die Sonne am Abend-Tor, als ein lichtbrünstiger Künder wie der Gamsbock am Jungfraujoch hüllenlos von Untergang zu Untergang hüpft. Mit adriger Hand führt er tanztrunkene Nudistentrauben aus sehniger Magermasse in den Lenz des Geistes. Des Kairos‘ Messerspitze bohrt sich in meine Brust: Ob die Weltgeschichte für das Feuer meiner flehenden Flamingos reif sei?

Die Gräfin seufzt abwesend hinter ihrer kühlen Gurkenmaske. Ob sie von mir als Jochanaan in der Zisterne träumt? Ich erwäge, Kaschmirschals zu meiner primären Inspirationsquelle zu kiesen. Mañana…

23. August – Betrachtung eines reifenden Papageis über den Tod.

 

Mein Narziss im Pantherfell,

ich würde mich an Ihrer Stelle über Weintraubs üble Laune nicht weiter echauffieren. Als erfahrener Schach-Kontrapunktiker, kann ich mich nur wiederholen: Eröffnungsfehler sind wie Kindheitstraumata – sie verursachen fatale taktische Dysbalancen im Mittelspiel, die auch die kühnsten Kombinationskünste nicht heilen können. Hat auch der letzte Bauer den Glauben ans Endspielkarma verloren, steht der Tod schon in der Einfahrt und sagt: Gute Nacht, Pech gehabt.

Auch ich wurde ruckartig älter, weil Lady Abigail sich bis zum letzten Tropfen selbst im Bridge-Club verausgabt, und ich wie Dante am Läuterungsberg die unermesslichen Qualen eines Zwetschgen-Kompott-Entzugs durchleben muss.

Ich habe mich für eine Weile mit Kamm und Schere im Bonsai-Terrarium zurückgezogen und warte bei kandiertem Ingwer auf ihre Rückkehr.

Wie gedeihen denn Ihre flambierten Flamingos? Grunzen Sie schon fröhlich auf der Jagd nach Worttrüffeln im Gebüsch oder schürfen Sie nur torfigen Scotch auf dem Tigerteppich und lullen Ihre Gräfin mit Ihrer erbärmlichen Erlösungserotik ein?

Vielleicht inspiriert Sie diese Abhandlung zur dreiteiligen Liedform aus einer Fachzeitschrift für angewandte Achtsamkeit. Diese Form liegt dem Bauwerk des kleinsten Liedkorns bis zum symphonischen Urweltmammutbaum zugrunde.

Möglicherweise, bedarf Ihr Flamingo eines Altars zur Entfaltung seines Feuers? Bedenken Sie Jachin und Boas, Gründer- und Machtpfeiler in Lotusblüten- und Granatapfelpracht. Auch die Löwen sollten Sie nicht vergessen…

 

Es verabschiedet sich

Ihr welkender Lord A.

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