La dolce vita

Der felide Dichter lebt sich im arkadischen Grün seiner poetischen Berufung ein

und sonnt sich in der Gunst seiner Muse. 

13. August – Seifenblasen.

 

Ich will meinen Intellekt auf grazile Daktylen kalibrieren, aber knuspriger Krokus-Krokant liegt am Fuß der Magnolie verstreut und verleitet mich zu bunten Nasch-Orgien. Schreiben misslingt mir erneut, und ich würde am liebsten Seppuku begehen, aber die Gräfin gibt eine Poolparty zu ihrem 70. Jubiläum, und ich soll sie mit Seepferdchen-Sonetten im Oktopus-Kostüm beglücken.

15. August – Azzurro Bacio.

 

Entschleunigter Vormittag bei kühler Brise und Bloody Maries im Palmengarten der Villa Disteldorn. Sonnenbrille und Seidenschal verleihen der Gräfin eine libellenhafte Eleganz in Türkis, und ich bin mir nun sicher, in ihr die delikate Mäzenin gefunden zu haben, die mein zeugungsunfähiges Stammeln als die scheue Andacht des Minnesängers zu deuten weißt.

Wir rauchen Kamele in blaugestreiften Liegestühlen, bis die Schatten schrumpfen. Da fällt mir ein: Wie einst Gott Adam zu sich rief und um Übermittlung seiner Koordinaten bat, beschwört der Dichter das scheue Wort im Obstgarten, das mit zittrigen Händen Feigenblatt-Schürzen flicht, weil es davor bangt, gehört zu werden.

Ein Gedichtband aus Fragezeichen soll es werden – Fragezeichen im Blauen wie Flamingos auf Curaçao. Wahrlich, ich fühle mich wie der Reformator am Abort zu Wittenberg im Angesicht der göttlichen Gnade! Ich liebe meinen Einfall, will ihn knuddeln und herzen wie einen verspielten Welpen im Rasen! Die Gräfin taucht lächelnd aus ihrer Illustrierten auf und neigt den Kopf zur Seite als empathisches Zeichen ungeteilter Aufmerksamkeit. Beinahe versagt mein Herz, als sie nachdenklich an der Selleriestange knabbert, dann spricht sie es aus: „Liebster, Sie sind das Echolot meiner Seele…“ O Gräfin, Gnädigste! Hier bin ich Poet, hier darf ich sein!

Alle auf dieser Internetpräsenz dargestellten Texte & Bilder

wurden eigenhändig erstellt und sind urheberrechtlich geschützt.