Musik ist die versteckte arithmetische Tätigkeit der Seele,

die sich nicht dessen bewusst ist, dass sie rechnet.

 

– Gottfried Wilhelm von Leibniz

 


 

 KONTRAPUNKTISCHE DENKSPIELE

 

Der begabte Kater Felix Blum und sein komponierender Brieffreund Weintraub blieben zeit ihres fragmentarischen Lebens von Ruhm unbefleckt. Blums Sommer-Memoiren erzählen orphische Schöpfungsmythen über inbrünstig gebrütete Kardinalwerke, denen das Schlüpfen versagt bleibt. Die vorliegende Ausgabe wurde vom gelehrten Lord Albert Peregrin sorgfältig destilliert, abgefüllt und mit einem kryptischen Bericht versehen. Sowohl geneigte als aufrechte Leserinnen und Leser dürfen sich eingeladen fühlen, diese Oase an der Quelle auf flauschigem Fußnoten-Teppich zu betreten. 

Der Herausgeber

Lord Albert Peregrin erblickte als Spross des verarmten Kakadu-Adels das Licht der Welt auf der antipodischen Kap-York-Halbinsel. Zwischen Mangrovenwäldern und Korallenriffen machten sich seine außerordentlichen kognitiven Fähigkeiten und sein absolutes Gehör bereits im Küken-Alter bemerkbar, als er vom Nest fiel, Nüsse zu kontrapunktischen Denkspielen nach Orchideen-Mustern anordnete und sie auswendig vorsang. Wanderjahre folgten in der Kapitänskoje eines aufgeblasenen Segelschiffes, wo seine kryptologischen Geistesblitze bei Schatzsuchen und Blackjack hoch in Ehren gehalten wurden. Nach einem traumatischen Schiffsbruch blieb er auf den Galapagos-Inseln zurück, wo er unter der spirituellen Leitung des Schildkröten-Meisters Lonesome George Einblick in die kosmologischen Geheimnisse von Zeitschleifen gewann.

Im Kaktus-Kabinett dieses verbogenen Universums wurde er beim Backgammon vom eminenten Lepidopterologen Sir Nigel Peacock angeworben und erfüllt ihm seither die Rolle eines hochverehrten Schreibtisch-Talismans.

Lord Albert zog sich mit der Zeit zunehmend im Irrgarten der eigenen Hirnwindungen zurück und wählte die Marginalie als bevorzugtes Ausdrucksmittel seines akkurat kartographierten Wissens.  An stillstehenden blauen Sonntagen entwirft er Kontrapunkte aus Linien und Farben als illustrativen Beitrag zu den Memoiren seines der Welt abhanden gekommenen Freundes Felix Blum.

 

des Kapellmeisters Weintraubs Grimoiren

Musiker und aufgeklärte Laien werden vermutlich ihre Freude an den musiktheoretischen Beiträgen und kontrapunktischen Denkspielen des verschollenen Kapellmeisters Peregrinus Weintraub haben. Dieser vollzog einen Destillationsprozess nach einem Arbeitsunfall im Orchestergraben und zog sich zum Komponieren in die Wüste zurück, wo er im Schoss einer Orangen-Kiste Zuflucht fand. Auf der Suche nach dem Quellcode des Universums durchforstete der Kapellmeister fieberhaft die Fugen der großen Meister und hinterließ hermetische Notizbücher, die noch mit Ungeduld auf ihre Entschlüsselung warten.

Rezipiente, die sich als unmusikalisch bezeichnen mögen, dürfen getrost diese Betrachtungen im Irrglauben überspringen, sie seien bloß Metaphern für seelische Turbulenzen innerhalb eines im Möbius-Band des kreativen Prozesses gefangenen Ameisen-Komponisten.  

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